01 · Die kurze Antwort
Eine Website hat keinen sinnvollen Einheitspreis.
Dieser Ratgeber richtet sich an Unternehmen, die eine neue Website beauftragen, einen bestehenden Auftritt erneuern oder unterschiedliche Angebote besser vergleichen möchten. Er erklärt, welche Entscheidungen vor der Beauftragung wichtig sind – nicht, wie eine Agentur ihre Leistungen kalkulieren sollte.
Eine professionelle Website kann eine kompakte Seite für ein einzelnes Angebot sein – oder ein System mit mehreren Zielgruppen, redaktioneller Pflege, Buchung, Bezahlung und Schnittstellen. Beides heißt im Alltag "Website", verlangt aber eine völlig andere Konzeption, Umsetzung und Verantwortung.
Eine belastbare Preisfrage lautet deshalb nicht nur: "Wie viele Seiten brauche ich?" Sie lautet: Welches Ziel soll erreicht werden, welche Inhalte und Funktionen werden benötigt, was ist bereits vorhanden und wer übernimmt Pflege, Betrieb und Weiterentwicklung? Erst aus diesen Antworten entsteht ein vergleichbarer Leistungsumfang.
Die folgenden Beispiele sind keine Marktstatistik und keine Preisliste für jedes Projekt. Sie helfen dabei, den eigenen Bedarf einzuordnen und Angebote darauf zu prüfen, ob tatsächlich dieselbe Leistung gemeint ist.
Fünf typische Projektarten im Vergleich
Mini-Landingpage
Ein Angebot, ein klares Ziel und wenige kompakte Abschnitte. Sinnvoll, wenn Texte, Logo und verwendbare Bilder schon vorliegen und keine individuellen Funktionen benötigt werden.
One-Pager
Ein vollständiger Auftritt auf einer langen Seite. Er braucht eine gute Dramaturgie, weil Leistungen, Vertrauen, Ablauf und Kontakt ohne Unterseiten verständlich zusammenfinden müssen.
Firmenwebsite
Mehrere eigenständige Seiten für Leistungen, Unternehmen, Projekte und Kontakt. Sie bietet mehr Raum für Suchintentionen, Zielgruppen und spätere Erweiterungen.
Webanwendung
Nutzer können sich anmelden, Daten bearbeiten, berechnen, buchen oder verwalten. Rollen, Datenmodell, Schnittstellen, Sicherheit und Tests bestimmen den Aufwand stärker als das sichtbare Design.
Onlineshop
Produktdaten, Warenkorb, Bezahlung, Versand, Steuern und Bestellprozesse greifen ineinander. Zusätzlich entstehen laufende Aufgaben für Katalog, Betrieb, Rechtstexte und externe Dienste.
02 · Leistungsumfang
Der sichtbare Bildschirm ist nur ein Teil der Leistung.
Professionelle Umsetzung beginnt vor dem ersten Layout. Ziele, Zielgruppen, Inhalte und gewünschte Handlungen müssen geordnet werden. Erst danach lässt sich entscheiden, welche Seiten, Komponenten und technischen Funktionen wirklich gebraucht werden.
Auch vorhandenes Material ist nicht automatisch einsatzbereit. Texte müssen oft gekürzt und strukturiert, Bilder ausgewählt, zugeschnitten und für schnelle Ladezeiten vorbereitet werden. Ein Formular braucht verständliche Felder, Fehlerhinweise, Spam-Schutz, Zustellung und eine datenschutzgerechte Einbindung.
SEO-Grundlagen bedeuten keine Garantie für eine bestimmte Position bei Google. Gemeint sind eine nachvollziehbare Seitenstruktur, aussagekräftige Titel und Beschreibungen, interne Links, crawlbare Inhalte, eine Sitemap und eine technisch saubere Ausgabe. Sichtbarkeit entsteht anschließend durch Relevanz, Wettbewerb, Bekanntheit und kontinuierlich hilfreiche Inhalte.
Prüfliste
- Konzeption: Ziel, Zielgruppen, Seitenstruktur und gewünschte Nutzerwege
- Design: visuelle Richtung, Typografie, Farben, Komponenten und responsive Zustände
- Entwicklung: technische Umsetzung, Formulare, Integrationen, Tests und Performance
- Inhalte: Textkonzept, Redaktion, Bilder, Bildrechte und gegebenenfalls Übersetzungen
- SEO-Grundlage: Metadaten, Überschriftenstruktur, interne Links, Sitemap und strukturierte Daten, wo sie sinnvoll sind
- Rechtliche Einbindung: Impressum, Datenschutzinformationen, Einwilligungen und weitere Anforderungen passend zum konkreten Angebot
- Übergabe: Domain, Zugänge, Quellcode, Dokumentation und klar geregelte Zuständigkeiten
03 · Technischer Weg
Baukasten, WordPress oder individuelle Entwicklung?
Keine der drei Varianten ist automatisch professionell oder unprofessionell. Entscheidend ist, ob sie zum Ziel, zum Pflegebedarf, zum Budget und zu den Fähigkeiten des Teams passt. Ein gut eingerichteter Baukasten kann für einen einfachen Auftritt wirtschaftlicher sein als individuelle Entwicklung. Eine maßgeschneiderte Lösung kann sinnvoller werden, wenn Gestaltung, Geschwindigkeit oder Funktionen nicht in ein vorgegebenes System passen.
Bei WordPress beeinflussen Theme, Plugins, Hosting und redaktionelle Anforderungen den Aufwand. Das System ermöglicht eigenständige Inhaltsarbeit, verlangt aber Pflege: WordPress empfiehlt, Kernsystem, Themes und Plugins aktuell zu halten und vor Aktualisierungen Sicherungen einzuplanen.
Individuelle Entwicklung vermeidet nicht jede Wartung. Abhängigkeiten, Laufzeitumgebung, Hosting und Schnittstellen müssen ebenfalls betreut werden. Sie ermöglicht jedoch, Oberfläche und Technik gezielter auf den tatsächlichen Bedarf zuzuschneiden und unnötige Funktionen wegzulassen.
Welche Lösung passt zu welcher Ausgangslage?
Baukastensystem
Passend für einfache, schnell selbst gepflegte Seiten innerhalb eines festen Funktionsrahmens. Grenzen entstehen bei individueller Gestaltung, Datenportabilität, komplexen Integrationen und Anbieterwechseln.
WordPress
Passend für redaktionell geprägte Websites mit einem vertrauten Verwaltungsbereich und einem großen Erweiterungsangebot. Auswahl, Qualität und Pflege von Theme und Plugins gehören zum Projekt.
Individuelle Website
Passend, wenn Markenauftritt, Performance oder Funktionen gezielt entwickelt werden sollen. Änderungen erfolgen meist durch Entwickler oder über eigens vorgesehene Pflegefunktionen.
04 · Nach dem Start
Domain, Hosting, Wartung und Weiterentwicklung mitdenken.
Der Projektpreis deckt nicht automatisch den dauerhaften Betrieb ab. Domain und Hosting verursachen in der Regel wiederkehrende Gebühren beim jeweiligen Anbieter. Zusätzliche Dienste – etwa E-Mail-Versand, Terminbuchung, Karten, Analyse, Schriften, Bilddatenbanken oder Zahlungsabwicklung – können eigene Tarife und Nutzungsbedingungen haben.
Wartung bedeutet je nach System etwas anderes: technische Aktualisierungen, Sicherungen, Überwachung, Wiederherstellung, kleinere Inhaltsänderungen oder eine vereinbarte Reaktionszeit bei Störungen. Diese Leistungen sollten nicht unter einem unklaren Sammelbegriff verschwinden, sondern mit Umfang und Intervall benannt werden.
Weiterentwicklung ist davon getrennt. Neue Leistungen, zusätzliche Sprachen, ein Kundenbereich oder eine Schnittstelle sind neue Anforderungen. Eine gute technische Grundlage soll solche Schritte erleichtern, kann ihren späteren Aufwand aber nicht vollständig vorwegnehmen.
Prüfliste
- Auf wen werden Domain und zentrale Zugänge registriert?
- Welche laufenden Anbieter- und Lizenzkosten entstehen voraussichtlich?
- Wer ist für Updates, Sicherungen und technische Störungen zuständig?
- Welche Inhaltsänderungen sind in einer Betreuung enthalten – und welche nicht?
- Was passiert bei einem Anbieter- oder Dienstleisterwechsel?
- Welche Daten, Exporte und Quellcodes werden bei der Übergabe bereitgestellt?
05 · Aufwand steuern
Diese Faktoren erhöhen oder reduzieren den Projektaufwand.
Der Preis sinkt nicht sinnvoll dadurch, dass wichtige Aufgaben einfach weggelassen werden. Er kann aber deutlich planbarer werden, wenn Ziele priorisiert, Inhalte rechtzeitig geliefert und Entscheidungen gebündelt getroffen werden. Ein fokussierter erster Umfang ist oft wirtschaftlicher als ein großer Start mit Funktionen, deren Nutzen noch unklar ist.
Mehr Aufwand entsteht vor allem durch zusätzliche Zielgruppen, individuelle Inhaltsarbeit, besondere Interaktionen, Datenmigration, Mehrsprachigkeit, externe Systeme, komplexe Rollen und hohe Anforderungen an Verfügbarkeit oder Prüfung. Auch viele ungebündelte Feedbackrunden und ein grundlegender Richtungswechsel nach der Umsetzung verändern den vereinbarten Rahmen.
Planbarer Umfang statt pauschal "billiger"
Reduziert Aufwand
Ein klares Hauptziel, priorisierte Inhalte, vorhandenes Markenmaterial, benannte Entscheider, gebündeltes Feedback und bewusste Nutzung bewährter Standardfunktionen.
Erhöht Aufwand
Viele Zielgruppen oder Sprachen, neue Texte und Bildwelten, individuelle Animationen, Shop oder Login, Datenübernahme, Schnittstellen, Sonderrollen und zusätzliche Abstimmungsschleifen.
06 · Angebote vergleichen
Warum ein sehr günstiges Angebot später teuer werden kann.
Ein niedriger Preis kann zu einem kleinen, klaren Auftrag passen. Problematisch wird er, wenn der Leistungsumfang offenbleibt. Dann fehlen möglicherweise mobile Anpassungen, Inhaltsarbeit, Formularzustellung, technische SEO-Grundlagen, Tests, Übergabe oder Regelungen zu Lizenzen und laufenden Kosten.
Spätere Mehrkosten entstehen auch durch Abhängigkeiten: Die Domain läuft auf einen fremden Namen, Inhalte lassen sich nicht exportieren, ein proprietärer Tarif wird zwingend benötigt oder niemand ist für Aktualisierungen verantwortlich. Bei einem Relaunch muss dann nicht nur neu gestaltet, sondern zuerst geklärt und migriert werden.
Vergleiche deshalb nicht nur Endbeträge. Prüfe, ob Ziel, Seiten und Funktionen, Anzahl der Feedbackrunden, Mitwirkung, laufende Kosten, Nutzungsrechte, Übergabe und Betreuung in beiden Angeboten gleich beschrieben sind. Erst dann sind Preise wirklich vergleichbar.
Prüfliste
- Sind Ergebnis, Seiten, Funktionen und ausgeschlossene Leistungen konkret benannt?
- Ist geregelt, wer Texte, Bilder, Rechtstexte und Zugänge liefert?
- Sind Feedbackrunden, Abnahme und zusätzliche Wünsche nachvollziehbar geregelt?
- Stehen einmalige und laufende Kosten getrennt im Angebot?
- Ist klar, wem Domain, Inhalte, Design, Lizenzen und Quellcode nach Zahlung zustehen?
- Gibt es eine saubere technische Übergabe und einen Weg für spätere Änderungen?
07 · Deichklar konkret
Drei nachvollziehbare Einstiege – als Orientierung, nicht als Pauschalversprechen.
Die folgenden Beträge sind Deichklars unverbindliche Netto-Orientierungen und keine allgemeinen Marktpreise. Soweit Umsatzsteuer anfällt, wird sie im individuellen Angebot zusätzlich und als Gesamtbetrag ausgewiesen. Verbindlich wird der Preis erst mit einem Angebot, das Umfang, Mitwirkung, Feedbackrunden und Abrechnungsdetails festhält.
Der Einstieg ab 500 Euro ist bewusst eng begrenzt. Er soll ein kleines, bereits gut vorbereitetes Vorhaben ermöglichen – nicht eine vollständige Firmenwebsite zum Preis einer einzelnen Seite versprechen.
Aktuelle Deichklar-Orientierung
Mini-Landingpage · ab 500 €
Eine fokussierte Seite mit bis zu fünf Abschnitten, vorhandenen Texten und Bildern, responsiver Umsetzung und einer gebündelten Feedbackrunde.
Strategische Landingpage · ab 1.500 €
Konzeption und Seitenstruktur, individuelles Webdesign, Unterstützung bei den Texten, Kontakt- oder Anfragefunktion und zwei gebündelte Feedbackrunden.
Unternehmenswebsite · ab 2.800 €
Mehrseitige Struktur mit Leistungs- und Kontaktseiten, individuellen Komponenten, SEO-Grundoptimierung und sauberer technischer Übergabe.
08 · Verbindliches Angebot
Ein verbindlicher Preis braucht einen verbindlichen Umfang.
Vor einem Angebot muss nicht jedes Detail fertig entworfen sein. Die entscheidenden Grenzen sollten aber feststehen: Ziel, Seiten oder Funktionsbereiche, vorhandene Inhalte, besondere Integrationen, Verantwortlichkeiten, gewünschter Terminrahmen und Abnahmekriterien.
Bei einer überschaubaren Website kann daraus ein Festpreis für einen klar abgegrenzten Umfang entstehen. Bei einer Webanwendung oder noch unsicheren Anforderungen kann eine bezahlte Konzeptphase, ein priorisierter erster Funktionsumfang oder eine Umsetzung in Etappen seriöser sein. Beides verhindert, dass Unsicherheit unsichtbar in einen Pauschalpreis eingerechnet wird.
Ändert sich der Umfang später, sollte die Auswirkung auf Preis und Zeit transparent besprochen werden, bevor die zusätzliche Arbeit beginnt. Das ist keine unnötige Bürokratie, sondern schützt beide Seiten vor unterschiedlichen Erwartungen.
09 · Vorbereitung
Checkliste für ein hilfreiches Erstgespräch.
Wenn du eine Website beauftragen möchtest, brauchst du für eine erste Einschätzung kein fertiges Lastenheft. Eine ehrliche Skizze deiner Ausgangslage reicht. Besonders hilfreich sind konkrete Beispiele: Was bremst den heutigen Webauftritt? Welche Fragen stellen Interessenten oder Kunden deinem Team immer wieder? Welche Handlung sollen Besucher künftig auf der Website ausführen können?
Wenn einzelne Punkte noch offen sind, ist das kein Problem. Wichtig ist nur, Unsicherheit sichtbar zu machen, statt sie durch vermeintlich genaue Angaben zu verdecken.
Prüfliste
- Was soll die Website für das Unternehmen konkret erreichen?
- Wer sind die wichtigsten Zielgruppen und welche Frage bringen sie mit?
- Gibt es bereits eine Website, Domain, Logo, Texte und verwendbare Bilder?
- Welche Seiten, Sprachen und Funktionen erscheinen heute notwendig?
- Sollen Inhalte später selbst gepflegt werden – und von wem?
- Welche Systeme oder Dienste müssen angebunden werden?
- Wer entscheidet intern und gibt Inhalte sowie Gestaltung frei?
- Welcher Budgetrahmen ist realistisch und welche laufenden Kosten sind akzeptabel?
- Gibt es einen echten Termin oder nur einen gewünschten Zeitraum?
- Was wäre ein sinnvoller kleiner erster Umfang, falls nicht alles sofort nötig ist?
10 · Fazit
Die passende Website ist die kleinste Lösung, die das Ziel zuverlässig erreicht.
Ein kleines Unternehmen braucht nicht automatisch eine große Website. Es braucht aber einen Auftritt, dessen Umfang bewusst gewählt wurde und dessen Betrieb nach dem Start geklärt ist. Eine fokussierte Landingpage kann dafür vollkommen ausreichen. Werden mehrere Leistungen erklärt, Inhalte regelmäßig gepflegt oder Prozesse digital abgebildet, ist ein größerer Rahmen ehrlicher und meist wirtschaftlicher.
Beginne deshalb nicht mit einer Wunschliste aller denkbaren Funktionen. Beginne mit Ziel, Zielgruppe und dem nächsten sinnvollen Schritt. Daraus lassen sich technische Lösung, Eigenleistung, laufende Verantwortung und ein belastbarer Preis ableiten.
Häufige Fragen

